Klein aber fein

verfasst am 24.07.2009

Ich habe mir die Frage gestellt, wie ich meine Begeisterung für schöne Typografie und ansprechendes Grafikdesign in diesem Weblog-Artikel mit euch teilen kann. Idealerweise musste ich gar nicht lange grübeln, denn die Antwort lag sprichwörtlich genau vor meiner Nase – meine Visitenkarten.

Visitenkarte | Detail oben Visitenkarte | Detail unten Visitenkarte | Komplettansicht

Mit meinem Umzug nach Berlin Anfang des Jahres benötigte ich natürlich neue Visitenkarten. Somit ging ich zuerst einmal auf die Suche nach einer recht jungen, noch unverbrauchten Schrift. Klar war, es sollte eine Antiqua sein, also eine Schrift mit Serifen. Zu der Zeit las ich gerade im Blog von I love Typography (iLT), um mich ein bisschen inspirieren zu lassen, als ich über den iLT eigenen Schriftzug stolperte. Es war Liebe auf den ersten Blick. Nach kurzer Recherche fand ich heraus, dass es sich bei der verwendeten Type um die Skolar von David Březina handelt, die ganz frisch bei der Foundry TypeTogether vertrieben wird. Neben dem obligatorischen Font Tester und einer kompletten Glyphen-Übersicht gibt es zudem ein sehr schön gestaltetes PDF. Meine erste Erkenntnis: Der Italic-Schnitt ist sogar noch schicker als der Gerade. Meine zweite: Die Schrift ist beachtlich gut ausgebaut. So erhalte ich nicht nur meine geliebten Small Caps und Ligaturen sondern auch tabellarische, proportionale Versal- & Mediävalziffern sowie alternative Buchstabenformen und Ornamente. Lange Rede kurzer Sinn, alle bis dahin vorhandenen vier Schnitte – mittlerweile gibt es derer sechs – wurden gekauft.

Vielsagende Details

Visitenkarte | prägender Druck

Für meine neuen Visitenkarten wollte ich nicht nur eine außergewöhnliche Schrift, auch die Art des Drucks war mir enorm wichtig. Dabei kam eine Karte aus dem üblichen Offset-Druck oder noch schlimmer aus dem Digitaldruck, die man gefühlt in neun von zehn Fällen in der Hand hält, nicht in Frage. Nein, ich wollte etwas Besonderes. In meinen Bookmarks fand ich dann per Zufall einige Beispiele, die im amerikanischen Letterpress-Verfahren gedruckt worden sind. Ich war abermals sehr angetan davon, denn bei dieser Methode entsteht durch die Hochdruckform eine Prägung im Papier – die Schattierung –, die man auf der Rückseite ertasten kann. Jetzt musste ich also nur noch einen Drucker hier in Berlin und Umgebung finden, der im Hochdruckverfahren arbeitet, was zugegeben gar nicht so einfach war. Aber Internet sei Dank stieß ich auf den interessanten Druckerey Blog von Martin Z. Schröder.

Alt bewährte Handwerkskunst

Von da an ging alles sehr unkompliziert und zügig von statten. Ich schrieb eine kurze Anfrage per E-Mail, die zügig binnen 24 Stunden beantwortet wurde. Wir machten einen Termin aus, um alle Details besprechen zu können. Nicht nur die Papierfrage wurde geklärt – ich entschied mich für Römerturm Precioso weiß matt 300g/m² – auch erfuhr ich, dass meine Visitenkarten mittels Magnesium-Klischee, eine Art Stempel, gedruckt werden müssen. Damit man die Schattierung auf der Rückseite ertasten kann, ist man gezwungen sehr hohen Druck auf das Papier auszuüben. Bleilettern würden in dem Fall zerstört werden, weil sie zu weich sind. Das Magnesium-Klischee dagegen ist hart genug und hält ohne weiteres dem Druck der Boston-Klapptiegelpresse stand. Zur Anfertigung des Druckstocks wird dann lediglich ein einfarbiges PDF benötigt, aus dessen Daten das Klischee geätzt wird.

Der Farbschnitt – oder das Tüpfelchen auf dem ‚i‘

Visitenkarte | Farbschnitt

Zu guter Letzt hatte ich noch einen speziellen Veredelungswunsch und hoffte, dass mir mein Drucker diesen ebenfalls erfüllen kann: Die Visitenkarten sollten an den Kanten mit einem Farbschnitt versehen werden. Was soll ich sagen, er war nicht nur sehr angetan von der Idee, er setzte meinen Wunsch auch bestens um. Sowohl beim Anfertigen des Farbschnitts als auch beim darauf folgenden Andruck der Karten konnte ich ihm über die Schulter gucken. Heutzutage ist man es ja gewohnt, dass alles automatisch und auf Knopfdruck von statten geht. Nicht so in der Offizin von Martin Z. Schröder, hier ist präzise Handarbeit an der Tagesordnung, was ich sehr zu schätzen weiß. Abschließend lässt sich sicher festhalten, dass ich mit dem Ergebnis äußerst zufrieden bin und die Druckerey auf diesem Wege gern weiterempfehle.Artikelende

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Grafikdesign
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Print
Typografie

Kommentare

Markus Schlegel

am 05.08.2009
Hört sich ziemlich teuer an. Wie viel hat der Spaß denn gekostet?

Stephan

am 05.08.2009
Was ist teuer? Und was bin ich gewillt für etwas Außergewöhnliches zu zahlen? :)

Ich kann nur so viel sagen, dass die Qualität den Preis auf jeden Fall gerechtfertigt hat. Da das Anfertigen der Visitenkarten nun schon ca. ein halbes Jahr her ist, habe ich den Betrag leider nicht mehr im Kopf. Was ich noch sicher weiß, dass die Summe dreistellig ausfiel. Es spielt aber auch keine Rolle, denn jede Visitenkarte ist anders. Faktoren wie Veredelung, Auflage, Farbe, Papier, einseitig oder zweiseitig, vom Klischee oder im Bleisatz, etc. bestimmen ja letztendlich den Wert.

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